Girokonto überziehen: So teuer wird es

Wer davon spricht, dass er das Girokonto überziehen muss, meint damit in der Regel den Dispokredit. Das ist jedoch kein Automatismus, denn eine Überziehung ohne eingeräumten Kreditrahmen wird sehr teuer. Mit welchen Kosten muss man bei Überziehungen rechnen?

Mit dem Dispo kann man das Girokonto überziehen

Fast jeder Einwohner in Deutschland, der über 14 Jahre alt ist, besitzt ein Girokonto – die Gesamtzahl wird auf rund 70 Millionen geschätzt. Die Zahl der eigentlichen Konten ist mit 100 Millionen noch deutlich höher – das liegt daran, dass viele Kontoinhaber mehrere Konten besitzen und Gemeinschafts- und Haushaltskonten als Girokonten geführt werden. Außerdem zählen auch Geschäftskonten von Firmen dazu. Mehr als die Hälfte davon wird mittlerweile als Online-Konto geführt.

Pro Jahr transferiert statistisch gesehen jeder Kontoinhaber ca. eine Million Euro über Girokonten (bei diesem Wert sind aber natürlich auch Firmenkonten einbezogen, die in der Regel mehr und höhere Geldbewegungen aufweisen als der Durchschnittsbürger). Der Dispositionskredit gehört bei den meisten Konten dazu – ob man ihn nutzt oder nicht. Obwohl er kein Automatismus ist, wird er von vielen Banken generell in Höhe von zwei oder drei Monatseinkommen eingerichtet, wenn der Kunde dies wünscht und ein regelmäßiger Geldeingang nachgewiesen ist.

Mit dem Dispo kann man das Konto überziehen, ohne in akute Schwierigkeiten zu geraten.

Das passiert schneller als man denkt:

  • Eine unerwartete Abbuchung zum Monatsende,
  • eine hohe Nebenkostennachzahlung,
  • eine defekte Waschmaschine –
  • alles, was das normale Budget kurzfristig aus der Bahn werfen kann, lässt sich über den Dispo regeln.

Genau betrachtet, ist die Inanspruchnahme des Dispokredits keine Kontoüberziehung, denn bei einer Überziehung sind alle eigenen und Kreditmittel bereits ausgeschöpft. Der Ausdruck der Überziehung hat sich aber für die Nutzung des Dispositionskredits allgemein durchgesetzt.

Viele würden niemals ihr Girokonto überziehen: So teuer wird es

In Umfragen erklären viele Deutsche, dass sie niemals den Dispo in Anspruch nehmen und somit auch nie ihr Konto überziehen. Ob das tatsächlich stimmt, ist die andere Frage, aber tatsächlich haben viele Kontonutzer in Deutschland schon als Kind gelernt, dass man keine Schulden macht. Natürlich sucht man sich das nicht immer aus – und gerade für unerwartete Engpässe ist es praktisch, einen Dispokredit zur Verfügung zu haben.

Laut Daten von Bundesbank und dem Umfrageinstitut Ipsos sieht es mit der Nutzung von Dispokrediten auf Girokonten wie folgt aus:

  • 52 % sagen, dass sie nie ihr Girokonto überziehen
  • 23 % nehmen den Dispo bei Bedarf wenige Male im Jahr in Anspruch
  • 10 % müssen jeden Monat in den Dispobereich ausweichen
  • 8 % sind dauerhaft im Minus
  • 7 % geben keine Auskunft

Zum Zeitpunkt der Befragung lag die komplette monatliche Summe der von Kreditinstituten ausgegebenen Dispokredite bei über 38 Milliarden Euro. Damals fielen durchschnittlich 9,5 % Zinsen an, was sich seit 2013 aber bei vielen Banken noch deutlich nach oben entwickelt hat.

Wer davon spricht, dass er das Girokonto überziehen muss, meint damit in der Regel den Dispokredit. Das ist jedoch kein Automatismus, denn eine Überziehung ohne eingeräumten Kreditrahmen wird sehr teuer.

Wer davon spricht, dass er das Girokonto überziehen muss, meint damit in der Regel den Dispokredit. Das ist jedoch kein Automatismus, denn eine Überziehung ohne eingeräumten Kreditrahmen wird sehr teuer.(#01)

Warum ist es so teuer, wenn man das Girokonto überziehen muss?

Es gibt also zwei Wege, das Girokonto zu überziehen: Mit oder ohne Dispositionskredit.

Wem es ohne eingeräumten Kreditrahmen passiert, ins Minus zu rutschen, der hängt von der Kulanz seiner Bank ab, ob eine Überweisung noch durchgeführt wird oder nicht. Fast immer wird die Bargeldverfügung (z. B. am Geldautomat) in diesem Fall jedoch verweigert. Hinzu kommt die Gefahr, dass das Kreditinstitut das Konto kündigen kann. Das passiert in der Regel nie sofort, kann aber unangenehme Folgen (u.a. bei der Bonitätseinstufung) mit sich bringen. Zudem wird es sehr teuer, denn ohne einen Dispo das Girokonto überziehen zu wollen, wird mit hohen Strafzinsen belegt.

Oft kommt eine Bearbeitungsgebühr für jeden Vorgang hinzu. Wie hoch diese ausfällt, ist bei jeder Bank verschieden. Hat man einen vorgegebenen Dispobereich, in dem man sich bewegen kann, ist es unproblematisch, ins Soll zu rutschen. Natürlich kann man auch ein solches Girokonto überziehen, wenn der Disporahmen ausgeschöpft ist – dann gelten die gleichen Regeln (und Kosten) wie bei einer Überziehung ohne Kreditrahmen. Die hohen Zinsen werden von Kunden oft als Abzocke empfunden, allerdings muss man sich auch die Seite der Banken klarmachen:

Wer sein Konto ohne Dispokredit überzieht, stellt ein vergleichsweise hohes Ausfallrisiko dar. Das erklärt aber nicht, warum in Zeiten niedriger Zinsen bei den Zentralbanken (wo die Banken sich das Geld selbst sehr günstig leihen können) die Dispozinsen immer noch vergleichsweise hoch sind. 2012 lagen die Dispozinsen im Durchschnitt bei 11,44 Prozent, wobei Direktbanken häufig einige Prozentpunkte günstiger sind. Dafür nehmen Volks- und Großbanken aber auch teilweise deutlich mehr. Manche Dispokredite sind so teuer wie die Zinsen, die bei Kreditkarten berechnet werden. Auch bei dieser Zinsberechnung wird von den Kreditinstituten ein höheres Risiko angeführt.

Dies hat laut Banken folgende Gründe:

  1. Dispokredit wird dauerhaft bereitgestellt, ob er genutzt wird oder nicht
  2. Dispo gibt dem Kunden eine höhere finanzielle Flexibilität
  3. keine Kosten bei Nichtnutzung
  4. Ausfallrisiko höher als bei einem Privatkredit

Vor allem die Bereitstellung von Dispos, die dann nicht abgerufen werden, verursacht den Banken angeblich hohe Kosten, die durch die höheren Zinsen gedeckt werden müssten. Allerdings entfallen bei einem Gesamtkreditvolumen von mehr als 140 Milliarden Euro für Privathaushalte weniger als zehn Prozent auf die Nutzung von Dispositionskrediten. Auffallend ist, dass die Zahl derer, die ihr Girokonto überziehen, weiter rückläufig ist. Wurden 2004 noch 20 Milliarden Euro im Soll deutscher Privatgirokonten verbucht, waren es 2011 nur noch 13,5 Milliarden Euro.

Sicher ist der Dispo eine schöne Möglichkeit, flexibel und ohne bürokratischen Aufwand seinen Finanzrahmen zu erweitern – solange dies nur kurzfristig geschieht.

Sicher ist der Dispo eine schöne Möglichkeit, flexibel und ohne bürokratischen Aufwand seinen Finanzrahmen zu erweitern – solange dies nur kurzfristig geschieht. (#02)

Girokonto überziehen? Es geht auch günstiger

Sicher ist der Dispo eine schöne Möglichkeit, flexibel und ohne bürokratischen Aufwand seinen Finanzrahmen zu erweitern – solange dies nur kurzfristig geschieht. Wer sich über längere Zeit hinweg im Soll befindet oder den Disporahmen sogar nahezu vollständig ausschöpfen muss und nicht mehr ins Haben kommt, sollte die hohen Kosten bedenken und eine Umschuldung in Erwägung ziehen. Zum Beispiel kann man mit der Hausbank statt eines Dispokredits einen Rahmenkredit vereinbaren. Bei Firmen ist dies üblich, um Zwischenfinanzierungen für Lieferanten, Löhne etc. bei gleichzeitig vorhandenen Außenständen abzudecken.

Für Privatkunden wird der Rahmenkredit seltener vergeben und unterliegt ähnlichen Prüfkriterien wie ein normaler Ratenkredit, hat aber andere Vorzüge:

  1. Der Rahmenkredit kann wie der Dispo bei Bedarf genutzt und in beliebigen Raten zurückgezahlt werden
  2. Durch die genauere Bonitätsprüfung ist das Ausfallrisiko geringer (und der Kreditrahmen eventuell sogar höher)
  3. Die Sollzinssätze liegen bei diesem Kredit unter denen für einen Dispo oder eine unerlaubte Kontoüberziehung

Die übliche Variante ist jedoch, einen regulären Privatkredit zu beantragen. Damit kann man hohe Sollzinssätze vermeiden, indem man nicht mehr das Girokonto überziehen muss, sondern den Dispo ablöst und den Ratenkredit dann ganz normal zurückzahlt. Zinsen und Bearbeitungsgebühr für den Privatkredit liegen bonitätsabhängig meist deutlich unter den Überziehungszinsen bzw. Dispozinsen.

Der Nachteil ist, dass dieser Kredit nicht so flexibel ist und in jedem Fall in Anspruch genommen wird, die Bank also garantierte (allerdings niedrigere) Zinseinnahmen hat. Die Umschuldung ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn man damit wirklich dauerhaft aus den roten Zahlen herauskommt. Andernfalls verschlimmert sich die Lage nur, wenn man zusätzlich zum Ratenkredit erneut das Girokonto überziehen muss und wieder in den Dispo rutscht.

Übrigens muss man einen Ratenkredit natürlich nicht bei der eignen Hausbank beantragen – wer die Angebote vergleicht, kann bei anderen Anbietern viel Geld sparen oder solche Angebote zumindest als Argumentationshilfe bei Verhandlungen mit der eigenen Bank nutzen.

Die Sollzinssätze sind ohne Dispo horrend und die meisten Banken erlauben eine dauerhafte Kontoüberziehung auch überhaupt nicht.

Die Sollzinssätze sind ohne Dispo horrend und die meisten Banken erlauben eine dauerhafte Kontoüberziehung auch überhaupt nicht. (#03)

Fazit: Kurzfristig kann man das Girokonto überziehen, langfristig ist der Dispo zu teuer

Die Sollzinssätze sind ohne Dispo horrend und die meisten Banken erlauben eine dauerhafte Kontoüberziehung auch überhaupt nicht. Wer keinen privaten Ratenkredit beantragen möchte, weil es sich nur um einen kurzfristigen Engpass handelt, kann mit dem Dispo flexibel wirtschaften. Wird das rote S auf dem Kontoauszug aber zum Dauerzustand, wird es durch die hohen Dispozinsen unverhältnismäßig teuer.

Dann kann eine Umschuldung auf einen günstigeren Ratenkredit helfen. Bei der Suche nach dem richtigen Anbieter für ein Girokonto sollten also auch Dispozinsen und andere Konditionen berücksichtigt werden – denn viele Banken lassen sich die Flexibilität unverhältnismäßig hoch bezahlen.


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Über Iris Martin

Iris Martin, Jahrgang bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, ist Mutter zweier Kinder. Rabauke 1 und Rabauke 2 sind Wunschkinder ersten Grades, treiben ihre Eltern regelmäßig an den Rand der Verzweiflung und wissen sie von dort mit einem lieblichen Augenaufschlag wieder wegzuholen. Iris ist derzeit mit ihren beiden Jungs zu Hause, genießt das Leben als Vollzeitmami und hält das Chaos so im Rahmen. Neuen Herausforderungen stellt sie sich dabei gerne – immer gut gewappnet mit dem Wissen, das nur aktiv agierende Eltern haben können.

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