Null-Prozent-Finanzierung: Mehr Werbung als Finanzierungsvorteil

Der Begriff Null-Prozent-Finanzierung vermittelt auf Anhieb den Eindruck, dass es kein Geld kostet, sich Geld zu leihen, oder den Wunschartikel nicht in einer Summe, sondern ratenweise zu bezahlen. Das schont die eigene Liquidität, ohne dass dadurch Mehrkosten entstehen. Doch dem Kunden sollte bewusst sein, dass ihm einerseits nichts geschenkt wird, und dass andererseits der Händler nicht auf seine Verdienstmarge verzichtet.

Null-Prozent-Finanzierung: wie es wirklich ist

Horst Biallo, Herausgeber von biallo.de als einem Verbraucherportal für private Finanzen, hat sich näher mit der Vielfalt an Null-Prozent-Finanzierungen befasst. Für ihn ist klar, dass es sich dabei weniger um besonders günstige Angebote als vielmehr um Werbeaktionen der Händler handelt. Ziele sind Umsatzsteigerung sowie Neukundengewinnung.

Bei der Null-Prozent-Finanzierung übernimmt der Händler die Funktion eines Vermittlers zwischen dem Kunden und einem Kreditinstitut. Der Ratenkauf ist immer mit einer Kreditaufnahme verbunden. Der Kunde unterzeichnet, oftmals eher unbewusst, zwei Verträge. Einer ist der Kaufvertrag mit dem Händler, der andere ein Ratenkreditvertrag mit der Bank oder Sparkasse. Beide Verträge sind unabhängig voneinander zu sehen, sie haben nichts miteinander zu tun. Das Kreditinstitut zahlt den Kredit an den Händler, der auf diesem Wege den Kaufpreis der Ware sofort und in einer Summe bezahlt bekommt.

Die Werbung Null-Prozent-Finanzierung ist, wie Biallo feststellt, eine alternativlose Formulierung. Weniger als Null geht nicht. Der Kunde wird dazu animiert, den Null-Prozent-Artikel zu kaufen, ohne näher nachzudenken oder zu vergleichen. Ihm wird suggeriert, dass es sich um ein besonders günstiges Angebot handelt, das er sich sofort leisten kann. Ob und auf welche Weise eine Verrechnung von Kreditzinsen oder Bearbeitungsgebühren zwischen Kreditinstitut und Händler geschieht, weiß der Kunde nicht. Auch die Preisgestaltung der Ware kennt er nicht. Er wird sozusagen mit dem Angebot geködert, einen lang gehegten Wunschartikel ohne Zinsen als Mehrkosten finanzieren zu können; von einem modernen Haushaltsgerät über die Einbauküche bis hin zum Familienauto. Biallo rät dazu, cool zu bleiben und auf den Preisvergleich auf Suchmaschinen wie idealo.de oder wie guenstiger.de nicht zu verzichten.

Die Vor- und Nachteile einer Null-Prozent-Finanzierung fasst er kurz und griffig zusammen.

  • Anschaffungen sind ohne oder mit teilweisem Eigenkapital möglich
  • Erspartes auf dem Festgeldkonto oder Sparbuch bleibt unangetastet
  • Das Verhandeln über einen Barzahlungsrabatt ist bei der Null-Prozent-Finanzierung nicht mehr möglich
  • Ratenverträge mit Kreditinstituten werden meistens in die Schufa des Käufers eingetragen
  • Mehrere oder viele solcher kleineren Ratenzahlungskredite schwächen den Schufa-Score als generelle Grundlage für die Kreditwürdigkeit

Bildnachweis: © Fotolia – Tim

Über Markus Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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