Annuität: Unterschiede konstante & variable Annuität

Sicherlich haben auch Sie schon einmal den Begriff der „Annuität“ gehört. Spätestens dann, wenn es um die Aufnahme eins Kredits oder um die Investitionsplanung im Unternehmen geht, wird er wichtig.

Definition Annuität: Vor allem in der Immobilienfinanzierung wichtig

Die Definition der Annuität ist wichtig, wenn es um die Klärung von Details zur Immobilienfinanzierung geht. Wobei sich so manche Unternehmensführung im Rahmen der Investitionsplanung ebenfalls mit diesem Bereich der Finanzwirtschaft befassen muss. Doch egal, ob es um die Rückzahlung eines privaten Kredits oder um Aktien und Devisen geht: Bei einer Annuität handelt es sich per Definition immer um eine regelmäßige Zahlung, die Tilgungs- und Zinsanteil für ein Darlehen beinhaltet.

Das Wichtige dabei ist, dass sich mit abnehmender Höhe des Darlehensbetrags der Tilgungsanteil erhöht, während der Zinsanteil sinkt. Um die genaue Ratenhöhe zu ermitteln, ist der Annuitätenfaktor wichtig, welcher mithilfe einer Formel und basierend auf Zinssatz, Laufzeit und Darlehenssumme ermittelt wird.

Bei einem Annuitätendarlehen zahlen Sie eine immer gleich hohe Rate, die entweder monatlich oder quartalsweise zu entrichten ist. Diese Rate wird laut Definition als Annuität bezeichnet. Üblich ist bei derlei Darlehen, dass der ursprüngliche Zinssatz für die gesamte Laufzeit fest vereinbart wird, meist geht es um Laufzeiten zwischen fünf und 15 Jahren. Auch kürzere oder sogar längere Zinsbindungen sind möglich.

Zinsbindung heißt, dass der Kreditgeber während dieser Zeit keine Veränderung des Zinssatzes durchführen kann, auch wenn sich die Zinsen für die übrige Finanzwirtschaft ändern sollten. Das gibt dem Kreditnehmer ein gewisses Maß an Sicherheit, denn er kann für eine feste Zeit die geforderten Rückzahlungsraten exakt planen. Endet die Zinsbindungsfrist, ohne dass der Kredit bisher vollständig zurückgezahlt worden ist, wird eine Neuverhandlung der Zinsen vorgenommen. Die Grundlage für diese Neuverhandlungen sind die aktuellen Zinsen auf dem Weltmarkt.

Wie hoch der Tilgungssatz zu Beginn genau ist, kann individuell festgelegt werden. Wichtig zu wissen ist aber, dass er mindestens ein Prozent der Darlehenssumme betragen muss. Meist wird empfohlen, die Rückzahlung auf wenigstens drei oder sogar vier Prozent zu vereinbaren. Ansonsten findet sich der Kreditnehmer rasch in einer Tilgungsfalle, bei der er zahlt und zahlt, dennoch aber von seinem Schuldenberg kaum wieder herunterkommt. Die Definition des Darlehens sieht leider keine zwingend vollständige Rückzahlung zum Ende der Zinsbindungsfrist vor. Ein Vergleich verschiedener Kreditangebote und eine sehr gute Beratung sind daher vor dem Vertragsschluss unbedingt empfehlenswert.

Video: Was ist eine Annuität und wie wird sie berechnet?

Annuitätendarlehen auf einen Blick

Das Annuitätendarlehen zeichnet sich nach der Definition durch folgende Merkmale aus:

  • gleichbleibende Raten über die gesamte Laufzeit
  • Festzinsdarlehen über die Zeit der Zinsbindung
  • langfristige Kredite
  • niedrige Anfangsbelastung
  • Sondertilgungsmöglichkeiten vorhanden
  • Tilgung je nach Art des Annuitätendarlehens (variabel oder fest) unterschiedlich hoch

In den meisten Fällen sind Sondertilgungen möglich, was für private Kreditnehmer ebenso wichtig ist wie für die Unternehmensführung, wenn es um ein Investitionsobjekt geht. Zwischen fünf und zehn Prozent können üblicherweise getilgt werden, wobei es verschiedene Regelungen gibt. Entweder, diese Sondertilgungen sind jährlich möglich oder auf zwei- bis dreimal über die gesamte Laufzeit gesehen beschränkt. Auch diese Möglichkeit lässt das Annuitätendarlehen als beliebteste Form der Kredite glänzen.

Unterschiedliche Definition: Merkmale einer konstanten und der variablen Annuität

Die Definition der Annuitäten sieht nicht nur bestimmte Begriffe wie den Annuitätenfaktor oder die Investitionsrechnung vor, sondern unterscheidet auch zwischen der variablen und der konstanten Annuität. Während die erstgenannte Variante auch als unechte Annuität gilt, wird die zweite Art als „echt“ bezeichnet. Wir klären auf:

Als variabel wird ein Annuitätendarlehen dann bezeichnet, wenn die Tilgungsrate immer gleich hoch bleibt.

Als variabel wird ein Annuitätendarlehen dann bezeichnet, wenn die Tilgungsrate immer gleich hoch bleibt.(#01)

Definition: Variable Annuität

Als variabel wird ein Annuitätendarlehen dann bezeichnet, wenn die Tilgungsrate immer gleich hoch bleibt. Bei diesem sogenannten Abzahlungsdarlehen ändert sich die Zinshöhe, der Tilgungsanteil bleibt bestehen. Dieser Anteil muss in jedem Jahr, das der Kredit läuft, an die Bank abgeführt werden. Mit jeder Tilgungsverrechnung aber sinken die Zinsen, die monatliche Rate bleibt demzufolge nicht in jedem Jahr gleich hoch.

Ein Darlehen mit 100.000 Euro und fünf Prozent Zinsen sowie einer Laufzeit von 15 Jahren soll zum Ende der Zinsbindungsfrist getilgt sein. Im ersten Jahr belaufen sich die Zinsen auf 5.000 Euro, die Tilgungsrate liegt bei 6.667 Euro im Jahr. Der Darlehensnehmer muss demzufolge 11.667 Euro im ersten Jahr an die Bank zahlen. Im Vergleich mit der konstanten Annuität liegt er damit deutlich höher!

Die Zinslast reduziert sich aber im zweiten Jahr auf 4.667 Euro, zurückgezahlt werden müssen auf das komplette Jahr gesehen noch 11.333 Euro. Diese Rate sinkt im dritten Jahr noch weiter, dann sind es nur noch 11.000 Euro, die an die Bank gehen müssen. Am Ende ist der Kreditnehmer schuldenfrei und braucht zum Ende der Zinsbindungsfrist keine Neuverhandlungen mit der Bank aufnehmen, es sei denn, er wünscht die Aufnahme eines komplett neuen Kredits.

Video: Was ist Annuität Wie geht Annuität Annuität was ist das

Definition: Konstante Annuität

Kreditnehmer und Kreditgeber legen laut dieser Definition, die im Rechnungswesen üblich ist, gemeinsam eine Laufzeit für den Kredit fest und bestimmen dabei, wie sich die Raten des Darlehens gestalten sollen. In welcher Höhe sie zu zahlen sind, wird dabei ebenso festgelegt wie die übrigen Konditionen, zu denen auch der Zinssatz gehört. Die Besonderheit ist, dass mit jeder Rate der Zinsanteil sinkt, weil sich die Zinsen immer auf den verbleibenden Darlehensbetrag stützen. Da die Rate aber stets gleich hoch bleibt, steigt der Anteil der Tilgung.

Bei festen Annuitäten findet sich in den Kreditvereinbarungen meist eine Klausel, die besagt, dass ein „anfänglicher Tilgungssatz mit x Prozent“ vereinbart wird. Anfänglich deshalb, weil sich die Rate rasch in ihrer Zusammensetzung ändert und der Zinsanteil damit nicht mehr so hoch ist wie zum Anfang. Ein Beispiel: Der Kreditnehmer unterschreibt einen Vertrag über eine Darlehenssumme von 100.000 Euro. Die Zinsen werden auf insgesamt 15 Jahre festgeschrieben, der Zinssatz beträgt hier fünf Prozent. Der anfängliche Tilgungsanteil wird mit drei Prozent vergleichsweise hoch angesetzt.

Der Kreditnehmer muss seinen Kredit nun wie folgt tilgen:

  • Im ersten Jahr zahlt er 3000 Euro als Tilgungssumme, hinzu kommen 5000 Euro als Zinsanteil. Die monatliche Rate beläuft sich auf 666,67 Euro. Diese Rate wird über die gesamte Laufzeit festgesetzt und soll demzufolge über 15 Jahre in dieser Höhe bleiben.
  • Im zweiten Jahr verringern sich die Zinsen um den bereits getilgten Anteil. Das heißt, dass der Kreditnehmer nun noch 97.000 Euro zurückzahlen muss, weil er im ersten Jahr schon 3000 Euro getilgt hat. Der Tilgungsanteil liegt nun nicht mehr bei drei Prozent, er steigt. An Zinsen fallen im zweiten Jahr nur noch 4.750 Euro an, der Tilgungsanteil schlägt dann mit 3.250 Euro zu Buche.

Welche Variante nun besser ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. In der Regel ist es so, dass die nach der Definition festen Annuitäten vor allem für Kreditnehmer besser sind, die ein hohes Maß an Sicherheit wünschen. Die Eigenschaften der Annuitätendarlehen zeigen sich hier besonders positiv und es herrscht eine gewisse Planungssicherheit. Das gilt auch für den Einsatz der Darlehensform zur Finanzierung von Aktien bzw. zur Wiederanlage der Devisen in die Rückzahlung.

Die Finanzwelt bzw. das Rechnungswesen sprechen von einer größtmöglichen Sicherheit bei der Planung der eigenen Finanzen, was sowohl für einen Unternehmer als auch für Privatpersonen unverzichtbar sein dürfte. Bei festen Annuitäten ist die Rückzahlung allerdings nicht darauf ausgelegt, dass zum Ende der Zinsbindungsfrist sämtliche Verbindlichkeiten ad acta gelegt werden können, teilweise sind Nachverhandlungen oder Neuverhandlungen zu weiteren Zahlungen nötig.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Dragana Gordic-#01: JP WALLET

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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