Sparsam leben: So haben Sie Geld für Ihre Träume

Sparsamkeit ist eine Tugend, die in den letzten Jahrzehnten ein wenig aus der Mode gekommen ist. Doch sparsam leben zahlt sich aus. Wer auf sein Geld achtet und es zusammenhält, kann sich früher zur Ruhe setzen und das Leben dann in vollen Zügen genießen – glauben zumindest Frugalisten.

Sparsam leben war für unsere Vorfahren normal

Die Generationen, die vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs geboren wurden, kannten es gar nicht anders, denn sparsam leben war für sie vor allem eine Frage des Überlebens. Wer nicht gerade mit einem geerbten Vermögen ausgestattet war, hatte keine Wahl. Erst mit dem Aufschwung des Wirtschaftswunders wurde es möglich, sich dann und wann einmal etwas zu leisten. Das eigene Auto, der Urlaub in Italien auf dem Campingplatz – so lebte man in den 50ern und war glücklich damit.

Nun hat der Zuwachs an Konsumgütern im letzten halben Jahrhundert zu einer veränderten Kaufmentalität geführt. Zum einen gibt es heute viel mehr Dinge, für die man Geld ausgeben kann. Smartphones, Internet, die Verfügbarkeit des 24-Stunden Online-Shoppings – all diese Dinge verändern das Konsumverhalten. Ein wichtiger Aspekt ist außerdem, dass man früher quasi nichts per Ratenzahlung gekauft hat, sieht man einmal von der Finanzierung eines Häuschens per Bausparvertrag ab. Was man sich nicht leisten konnte, hat man nicht gekauft – sparsam leben war also der einzige Weg, sich kostspielige Wünsche zu erfüllen.

Sparsamkeit gilt bis heute für viele als eine wichtige Charaktereigenschaft. Andererseits möchten viele Verbraucher das neue Smartphone aber nicht erst dann haben, wenn es bereits wieder veraltet ist. Der Ratenkauf macht es einfach, sich etwas zu leisten, das man erst über die Ratenzahlung wirklich erwirbt. Dass man beim Ratenkauf Zinsen und oft unnötige Extras dazukauft, steht dabei hinten an. Die Achtsamkeit, die das Sparen mit sich bringt, scheint bei der jüngeren Generation etwas verloren gegangen zu sein.

Die Sparquote geht nachweislich seit Jahren zurück. Neben dem veränderten Konsumverhalten gibt es aber auch handfeste Gründe, die nicht gerade zum sparsam leben motivieren.

Die Sparquote geht nachweislich seit Jahren zurück. Neben dem veränderten Konsumverhalten gibt es aber auch handfeste Gründe, die nicht gerade zum sparsam leben motivieren.(#01)

Sparsam leben bringt heute weniger Vorteile als früher

Die Sparquote geht nachweislich seit Jahren zurück. Neben dem veränderten Konsumverhalten gibt es aber auch handfeste Gründe, die nicht gerade zum sparsam leben motivieren. So gibt es heute kaum noch Zinsen auf Sparguthaben – tatsächlich sprechen manche Banken bereits davon, Negativzinsen einzuführen. Sparer müssten also Geld dafür bezahlen, es auf der Bank parken zu dürfen. Doch schon jetzt führen die niedrigen Zinsen dazu, dass man durch Achtsamkeit und sparsam leben im Sinne des Sparguthabens jeden Tag Geld verliert. Denn die Inflationsrate liegt deutlich über dem, was man für das angelegte Geld bekommt.

Das gilt nicht nur für das Sparbuch – auch andere Geldanlagen wie Festgeld oder Tagesgeld, die früher lukrativ waren, bringen heute kaum noch einen Inflationsausgleich zustande. Wer also auf dem Geld sitzen bleibt – sei es unter der Matratze oder auf dem Geldkonto –, verliert unter dem Strich Kaufkraft. Viele denken also, dass sparsam leben nicht nur keinen Spaß macht, sondern auch Geld kostet.

Lieber investieren sie in Konsumgüter und kaufen sich die begehrten Dinge jetzt und nicht erst später. Ratenzahlung und Ratenkauf machen das für die meisten Bürger auch dann möglich, wenn die Kosten die aktuellen Barmittel übersteigen. Es gibt aber auch eine andere Seite der Medaille. Sogenannte Frugalisten leben sehr minimalistisch und sparen, wo immer sie können. Das Ziel ist aber kein asketischer Minimalismus. Frugalismus bedeutet nämlich nur eine Verschiebung des Verzichts.

Frugalismus bedeutet ein striktes Leben nach Haushaltsplan. Jeder Euro, der nicht zwingend für die Lebenshaltungskosten abgeführt werden muss, wandert in das Sparen.

Frugalismus bedeutet ein striktes Leben nach Haushaltsplan. Jeder Euro, der nicht zwingend für die Lebenshaltungskosten abgeführt werden muss, wandert in das Sparen.(#02)

Sparsam leben und sich später alles leisten können: Frugalismus macht es möglich

Frugalismus bedeutet ein striktes Leben nach Haushaltsplan. Jeder Euro, der nicht zwingend für die Lebenshaltungskosten abgeführt werden muss, wandert in das Sparen. Auf diese Weise wollen die Frugalisten möglichst schnell ein möglichst großes Vermögen aufbauen, um möglichst früh in Rente gehen zu können. Nach diesem Konzept arbeiten viele einen Haushaltsplan aus, der sie bereits mit Anfang vierzig in die Lage versetzen soll, sich zur Ruhe zu setzen. Begonnen hat dieser Trend in den USA, wo die Altersvorsorge noch einmal ganz anders aussieht als in Deutschland.

Trotzdem erreicht der Trend immer mehr Menschen, die ihr Leben anders führen möchten als in der üblichen Schiene „Ausbildung, Arbeitsleben, Ruhestand im Alter“. Das klingt natürlich bestechend einfach: Ein paar Jahre lang sparsam leben und dann irgendwann den Job kündigen und von dem Gesparten das restliche Leben finanzieren zu können. Das funktioniert aber natürlich nur, wenn man das beiseite gelegte Geld auch irgendwie anlegt – und hier besteht ein gewisses Risiko. Das frugale Leben (also das einfache, bescheidene Dasein) lässt sich mit etwas Achtsamkeit einfach umsetzen, sagen die Befürworter.

Immerhin konnte man als Student mit wenigen hundert Euro im Monat über die Runden kommen – warum soll man das also als Mensch mit vollem Einkommen zwangsläufig ändern? Minimalistisch und sparsam leben bedeutet für diese Gruppe von Menschen, dass sie ihr Leben klar durchplanen und finanziell sehr bescheiden sind. Es gibt also keine Shoppingtouren, defekte Dinge werden repariert und wenn das nicht möglich ist, durch gebrauchte Gegenstände ersetzt. Urlaub macht man trotzdem – auf dem Campingplatz und nicht in fernen Ländern. Wer mit einem vollen Einkommen so sparsam leben kann, kommt mit einem Budget von unter 1000 Euro gut aus, so die Frugalisten.

Das Konzept des Ur-Frugalisten, des Amerikaners „Mr. Money Mustache“, sieht wie folgt aus:

  • 70 Prozent des Einkommens sollten gespart werden
  • wer seinen Jahresbedarf an Geld 25 mal spart und es entsprechend anlegt, kann damit sein Leben bis ins hohe Alter finanzieren
  • Frugalismus ist nicht Minimalismus: Finanzielle Unabhängigkeit soll lediglich früher erreicht werden als mit anderen Methoden
Viele, die mit Anfang 20 noch schwören, niemals zu heiraten oder Kinder in die Welt zu setzen, ändern ihre Meinung innerhalb der nächsten zehn Jahre. Ratenzahlung wird dann manchmal unausweichlich.

Viele, die mit Anfang 20 noch schwören, niemals zu heiraten oder Kinder in die Welt zu setzen, ändern ihre Meinung innerhalb der nächsten zehn Jahre. Ratenzahlung wird dann manchmal unausweichlich.(#03)

Bedeutet sparsam leben automatisch Verzicht?

Das klingt so anstrengend wie eine Wasser- und Brot-Diät zum Abnehmen. Doch viele Frugalisten schwören, dass sie im täglichen Leben nicht wirklich auf viel verzichten müssen. Gerade die grundlegenden Bedürfnisse würden weitgehend ohne Probleme gedeckt. Sparsam leben bedeutet vor allem eine Einschränkung bei unnötigen Ausgaben. Ein Kaffee hier, eine Zigarette da – das summiert sich auf die Dauer.

Hierzu gibt es sogar Regeln zur Berechnung, die sogenannten 752- und 173-Regeln, nach denen man berechnen kann, wie viel Geld man nach zehn Jahren hat, wenn man eine wöchentlich bzw. monatlich wiederkehrende Ausgabe einspart. Allein Ausgaben wie der Coffee-Shop können sich somit nach zehn Jahren auf einige zehntausend Euro summieren. Dieses Geld gewinnbringend angelegt, kürzt den Weg zum Ruhestand natürlich bereits erheblich ab.

Wenn sparsam leben keine Option ist

Nicht immer kann man so sparsam leben, wie man gerne möchte. Das wissen auch die Frugalisten. Es gibt bestimmte Dinge im Leben, die nicht nach einem Haushaltsplan ablaufen. Krankheit, Schicksalsschläge wie Unfälle oder Todesfälle im nahen Umfeld können die Finanzplanung über den Haufen werfen – insbesondere dann, wenn man an wichtiger Vorsorge wie Versicherungen gespart hat, um sich später schneller zur Ruhe setzen zu können.

Selbst freudige Ereignisse wie die nicht eingeplante Geburt von Kindern oder eine Hochzeit sind dazu geeignet, das Konzept auf den Prüfstand zu stellen. Denn viele, die mit Anfang 20 noch schwören, niemals zu heiraten oder Kinder in die Welt zu setzen, ändern ihre Meinung innerhalb der nächsten zehn Jahre. Ratenzahlung wird dann manchmal unausweichlich. Um nicht an die fest angelegten Gelder zu müssen, die man sich mühsam angespart hat, kann es sogar Sinn machen, beispielsweise einen Hochzeitskredit zu günstigen Konditionen aufzunehmen.

Insbesondere in Zeiten einer Niedrigzinsphase ist die Ratenzahlung oft cleverer als die Ausgabe in einem Brocken zu stemmen, denn die Finanzierungskosten sind vergleichsweise gering. Außerdem eignen sich die Konzepte des Minimalismus längst nicht für jeden Typus von Mensch, denn 70 Prozent seines Einkommens kann man auch dann nicht immer ohne Weiteres abzweigen, wenn man sparsam leben mit der Muttermilch aufgesogen hat.

Eine gesunde Balance zwischen Sparsamkeit und Verschwendung zu finden, scheint ideal zu sein.

Eine gesunde Balance zwischen Sparsamkeit und Verschwendung zu finden, scheint ideal zu sein.(#04)

Fazit: Sparsam leben ist eine gute Idee – man muss es ja nicht übertreiben

Die einen wollen so sparsam leben wie möglich, um mit 40 in Rente gehen zu können. Die anderen wollen ihr Leben sofort genießen – schließlich weiß man nie, ob man überhaupt so alt wird. Eine gesunde Balance zwischen Sparsamkeit und Verschwendung zu finden, scheint ideal zu sein.

Der Frugalismus hat nämlich nicht nur Vorteile und lässt sich aufgrund der schlechten Planbarkeit von Lebensereignissen nicht immer durchhalten. Und wer doch einmal zum Ratenkauf greifen muss, sollte sich damit trösten, dass investiertes Geld noch immer den größeren Mehrwert bringt als der schleichende Vermögensverlust durch Nullzinsen und Inflation.


Bildnachweis:&copy,Shutterstock-Titelbild: Anna Nikonorova  -#01: _ Iakov Filimonov -#02: GrashAlex -#03: _Pavlo Melnyk  -#04: Evgeny Atamanenko

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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